© 2008 Dr.Stefan Nefen

Dr. Stefan Nefen


prakt. Tierarzt / Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde

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Zahnstein


 
Wie entsteht Zahnstein?


 
Unmittelbar nach dem Durchbruch der Zähne durch das Zahnfleisch wird die Schmelzoberfläche von einem Gemisch der Speicheldrüsen, betshend aus Eiweiß-, Zucker- und Fettstoffen, dem Schmelzoberhäutchen überzogen. Diese Schicht fördert die Anlagerung von Pionierbakterien, die über besonders starke Bindungs- eigenschaften verfügen. Nach dieser ersten Besiedlung lagern sich nach und nach weitere Bakterienarten in diese "Biofilm" genannte Schicht ein, so das über 300 verschiedene Bakterienarten nachgewiesen werden können. Zusätzlich gelangen Futterreste, abgeschillferte Maulschleimhautzellen und Speichelbestandteile in diese auf der Zahnoberfläche anhaftende Masse. Die Einbettung der Bakterien in diesen Biofilm verringert deren Angreifbarkeit für Schleimhautdesinfektionsmitteln und Antibiotika um ein vielfaches. Umgangssprachlich bezeichnet man diesen Biofilm als:
 

Plaque / Zahnbelag   


 
Wird der Zahnbelag nicht von der Zahnoberfläche entfernt, lagern sich Mineralien aus dem Speichel ein und härten die Masse aus, es entwickelt sich Zahnstein.
 
 

Welche Schäden entstehen durch Zahnbelag und Zahnstein?

 

Die schädigende Wirkung des Zahnbelag resultiert aus den darin enthaltenen Bakterien und deren Stoffwechsel- produkten. Diese führen zu einer Entzündung des Zahnfleischrandes. Zahnstein selbst bietet eine rauhe Oberfläche, auf der sich weitere Bakterien anlagern können. So wird die Entzündungssituation verschärft.
Unbehandelt kann sich diese Entzündung in die Tiefe ausbreiten und zu einer Zerstörung des Zahnhalteapparates führen. Dabei werden sowohl Zahnfleisch- als auch Kieferknochenanteile zerstört, was schließlich zum freiliegen der Zahnwurzeln und letztendlich zum Zahnausfall führen kann.
Zusätzlich können die Bakterien in das entzündete Gewebe eindringen und von dort über Blut- und Lymphgefäße in den Körper abgeschwemmt werden. Dort können sie nachweislich schwerwiegende Infektionskrankheiten an Herz, Lunge, Leber und Nieren verursachen.


 
Massiver Zahnsteinbefall
Die Zähne des linken Oberkiefer sind mit massivem Zahnstein belegt. Dabei hat sich der Zahnstein auch weit über die Zahnsteinkrone hinaus auf das Zahnfleisch hin ausgebreitet. Die daraus enstandene Entzündung hat den Zahnhalteapparat angegriffen und sich in die Tiefe fortgesetzt. Als Folge hat sich in der Tiefe ein Abszeß gebildet, der im Bereich der Wange nach aussen durchgebrochen ist.


 
 
 
 

 

Behandlung von Zahnbelag und Zahnstein.

 

Die wirkungsvollste Behandlung von Zahnbelag besteht in der regelmäßigen Entfernung der sich täglich neu bildenden klebrigen Schicht. Dabei ist das Zähneputzen die mit Abstand wirksamste Variante. In Studien konnte nachgewiesen werden, das einmal tägliches Zähneputzen zur Gesunderhaltung des Zahnfleiches führt, wobei ein Putzen alle drei Tage oder nur einmal pro Woche keine Wirkung zeigte! Auch die Art der Fütterung und die Gabe von Zahnpflegefuttermitteln kann die Neubildung von Zahnbelag beeinflussen.
 
Im Unterschied zum Hund ist jedoch eine tägliche Zahnpflege durch Zähneputzen bei der Katze nur in seltenen Ausnahmefällen praktikabel. Die meisten Tiere lassen sich diese Art der Maulhygiene nicht gefallen. Auch ist der Einfluß der Fütterungsart - also Trocken oder Weichfutter - nicht so stark ausgeprägt wie beim Hund. Einige Katzen fressen zwar gerne hartes Futter, kauen aber teilweise dieses nur ungenügend oder schlucken es sogar unzerkaut ab. In der täglichen Praxis werden uns oft Tiere vorgestellt, die ein reines Trockenfutter angeboten bekommen, aber eine starke Zahnsteinbildung aufweisen. Demgegenüber stehen die Patieneten, die fast ausschließlich Weichfutter bekommen, aber nur sehr wenig Zahnstein erkennen lassen.
Oft wird argumentiert, das Wohnungskatzen eben viel Zahnstein haben weil sie keine Mäuse mehr fangen können. Diese Argumenation kann nicht bestätigt werden, da in dem Klientel der freilaufenden Katzen, die auch regelmäßig Mäuse fangen und fressen sowohl Katzen mit sehr viel als auch sehr wenig Zahnstein angetroffen werden.


In manchen Fällen scheint die Zahnpflege den Patieneten jedoch auch Spaß zu machen. Das Probenglas mit den verschiedenen Zahnpflegefuttermitteln weckte das offensichtliche Interesse dieser kleinen Katze, die nur schwer davon überzeugt werden konnte, sich komplett hinein zu schieben. Der Inhalt des Glases wurde zwecks besserer Auswertung durch die Besitzerin mitgegeben.


 
Ist bereits ausgehärteter Zahnstein vorhanden, kann dieser alleine durch Zähneputzen nicht ausreichend entfernt werden. Dann ist eine fachmännische Entfernung angezeigt. Dabei wird zunächst der grobe Zahnstein vorsichtig mit Handinstrumenten, sog. Scalern und Zangen entfernt. Anschließend wird die frei zugängige Zahnoberfläche mittels eines Ultraschallgerätes gesäubert. Hat sich der Zahnstein in Richtung Zahnwurzel ausgebreitet, wird er in der Tiefe mittels spezieller Geräte ( Küretten ) von der Zahnwurzeloberfläche entfernt. Abschließend wird die Zahnoberfläche poliert, um eine glatte Oberfläche zu erreichen, die einer neuen Besiedlung mit Bakterien geringere Anheftungsfläche bietet. Denn auch bei einer professionellen Zahnsteinentfernung wird die Zahnoberfläche durch die verwendeten Geräte aufgeraut. Eine Zahnsteinentfernung ohne nachfolgende Politur ist für einen längerfristigen Erfolg nicht ausreichend.
Eventuell notwendige weitere Behandlungsschhritte sind in dem Kapitel "Zahnhalteapparaterkrankungen" beschrieben.


Vor der Behandlung
Massive Zahnsteinbildung bei einem 8 Jahre alten Kater. Das Tier wurde zuvor noch nie zur Untersuchung oder Zahnstein- entfernung bei einem Tierarzt vorgestellt.
Der Zahnstein reicht teilweise weit über die Grenze der Zahnkronen hinaus und überdeckt das empfindliche Zahnfleischgewebe. Eventuelle Schäden an den Zähnen oder dem Zahnfleisch können noch nicht festgestellt werden.


 
Nach der Behandlung
Der Zahnstein ist zunächst mit manuellen Instrumenten
( Scaler, Kürette) abgeschabt worden. Im Anschluß wurden die Zahnkronen mit einem Ultraschallgerät gereinigt. Die Zahnpartien unterhalb des Zahnfleischrandes wurden mit speziellen Instrumenten von Zahnsteinanlagerungen befreit. Die gelösten Zahnsteinreste und Rückstände der Reinigung sind aus den Zahnfleischtaschen ausgespült worden. Zum Abschluß werden die Zahnoberflächen poliert, um die entstandene rauhe Oberfläche zu glätten. Dadurch wird eine erneuete Anlagerung von Zahnbelag verzögert.
Trotz der massiven Zahnsteinanlagerung wiesen die befreiten Zähne keinerlei Schäden auf.

Fistelöffnung